Feuerfliege
Heute
Nacht habe ich in meinem Garten eine interessante Beobachtung gemacht.
Ich hatte am frühen Abend ein Staudenbeet gejätet und mit 250
geschenkten Krokussen angereichert. Auch im Kräuterbeet gab es Veränderungen.
Aus Samen gezogenes Bohnenkraut brauchte eine neue Heimat. Hierfür
musste zuerst der dichte Teppich aus Walderdbeeren und Pfefferminz an einer
Stelle weichen. Es dunkelte schon als Regula und ich schliesslich in der
Hütte doch noch zu einem Candellight-Dinner direkt aus dem Topf kamen.
Beim
anschliessenden Herumwandeln mit einer Verdauungs-Zigarette im dunklen
Garten, sehe ich die Tasche mit den noch immer nicht gepflanzten Bohnenkraut-Setzlingen.
Hatte ich sie doch glatt vergessen, doch die Erde ist vorbereitet und so
geh ich sie noch schnell im Dunkeln pflanzen. Plötzlich sehe ich in
der dunklen Erde einen winzigen, aber relativ intensiven grünen Punkt
leuchten. Ich nehme ihn auf und gehe in ihn der Hütte im dürftigen
Kerzenlicht genauer betrachten. In den mitaufgenommenen dunklen Erdkrümeln
ist es nicht einfach zu erkennen, aber Regula und ich sind uns bald einig,
es ist eine kleine Leuchtkäfer-Larve. Sie ist höchstens einen
halben Zentimeter lang und offensichtlich von der Erdbearbeitung verletzt.
Ich verzichte darauf sie für die Wissenschaft in Spiritus einzulegen
und trage sie zurück. Beim nochmaligen aufmerksamen Absuchen der nackten
Erdoberfläche entdecke ich schliesslich einen weiteren leuchtenden
Punkt. Den lasse ich in Ruhe und hoffe, dass ich nicht ein allzu grosses
Leuchtkäfer-Massaker veranstaltet habe.
Schon
letztes Jahr habe ich eine Larve gefunden, die allerdings schon deutlich
grösser gewesen war. Interessanterweise haben wir noch keine Adulten
gefunden. Auch eine LED-Falle hat in den letzten zwei Sommern keinen Nachweis
erbracht. Woher kommen Larven ohne Adulte? Kinder ohne Eltern? Vielleicht
handelt es sich um eine Art Garten-Magie: Die frisch gepflanzten Krokusse,
die ich geschenkt bekommen hatte, sind zufällig von der Sorte Crocus
siberi „Firefly“.
Heinz
Schrämmli, Zürich 2004