Obstbaumallee und Baumreihe Sonnenberg

Projektbeschrieb

Idee:

Ergänzung und Neupflanzung von Obstbäumen entlang des Regensdorfer-Weges zwischen Lochholz (Reservoir) und Waldrand Brand sowie entlang des Feldweges zwischen Reservoir und Sonnenberg.

Ziele:

Æ Aufwertung des Landschafts- und Erholungsraumes am Gubrist-Südhang

Æ Markierung der historischen Wegverbindung Oberengstringen-Regensdorf

Æ Ökologische Vernetzung und Bereicherung des Lebensraumes für Tiere

Hintergrund:

Das mehrheitlich zur Gemeinde Oberengstringen gehörende, leicht geneigte Plateau zwischen dem Gehöft Sonnenberg (Unterengstringen) und Riedweg/Rütihof (Stadt Zürich) ist als ländlich wirkendes, landwirtschaftlich genutztes Gebiet in unmittelbarer Nachbarschaft des Siedlungsraumes ein ausgezeichnetes Naherholungsgebiet. Die erhabene Lage erlaubt einen Ausblick auf das stark besiedelte Limmattal und den gegenüberliegenden Hügelzug. Gerade im Kontrast zum intensiv bebauten Talboden kommt die Ruhe des Landschaftsraumes am Gubristsüdhang gut zur Geltung.

Im Verlauf der letzten Jahrzehnte hat auch dieser Raum eine Verarmung und damit eine Banalisierung erfahren. Die Neupflanzung und Wiederherstellung von Obstbaumreihen entlang der beiden Wege soll den Landschaftsraum gliedern und bereichern – ohne ihm jedoch die Weite zunehmen. Bei der Anlage von Obstbaumreihen bleiben im Gegensatz zu einer Heckenpflanzung der Durchblick und der Eindruck landschaftlicher Tiefe erhalten.

Am obern Teil des Regensdorfer-Weges sind in der Nähe des Waldrandes noch einige alte Birnenbäume erhalten. Bis in die 60er Jahre bestand beidseits des Weges eine Pflanzung mit Birnbäumen, die ihren Ursprung wohl im späten

19. Jahrhundert hatte.

Doppelreihige Obstbaumbegleitung für alle Wege im Gebiet des Sonnenbergs, Luftbild1926. Für die Allee ganz rechts im Bild (Regensdorfer-Weg) wird eineWiederherstellung der beidseitigen Baumallee vorgeschlagen, für die WegverbindungLochholz-Sonnenberg eine Baumreihe auf der untern Seite des Weges (rechteBildhälfte).

Der Regensdorfer-Weg war, wie ein Blick auf historische Karten zeigt, nicht einfach ein beliebiger Feldweg, sondern ein Teil der vom Limmattal ins Furttal führenden Verbindung, die in einer für historische Verkehrswege typischen Art verläuft - fast schnurgerade auf dem direktesten Weg über den Hügel.

Die Landschaft am Gubrist-Südhang ist nicht nur für die Erholungsnutzung und wegen der historischen Wegverbindung bedeutsam, sondern auch als Lebensraum vieler gefährdeter und seltener Arten, so etwa von Geburtshelferkröte, Feuersalamander, Zauneidechse, Ringelnatter, Grünspecht, Gartenrotschwanz, Grossem Glühwürmchen, Kleiner Goldschrecke, Feldgrille, Maulwurfsgrille und Braunem Feuerfalter – um nur einige der im Gebiet beobachteten Tierarten zu nennen. Über Fauna, Lebensraumstrukturen und Potenzial des Raumes liegen einige Untersuchungen vor. 2005 ist von einem Team der Hochschule Wädenswil (HSW) eine fast 100-seitige Arbeit mit dem Titel "Ökologische Aufwertung und Lebensraumvernetzung am Gubrist-Südhang" verfasst worden (Martina Baechtiger, Roland Blaser). Auch in dieser Arbeit wird festgehalten, dass eine Vernetzung des Gubristwaldes mit dem Lochholz durch eine Obstbaumallee und extensiver Begleitvegetation eine wertvolle ökologische Aufwertung des Gebietes darstellen würde.

Historischer Weg: Die Wegverbindung von Oberengstringen nach Regensdorf auf derDufour-Karte (1843-51). In Bildmitte der Regensdorfer-Weg zwischen Lochholz undBrand, der durch die Wiederherstellung der Obstbaumallee eine Aufwertung erfahrensoll.

Projekt:

Im Gespräch mit Armon und Johanna Fliri-Lüthy, Gut Sonnenberg,

kristallisierte sich 2006 der Vorschlag heraus, dass entlang des in NordSüd-Richtung verlaufenden Regensdorfer-Weges in Ergänzung der noch erhaltenen Altbäume eine (beidseitige) Birnbaumallee gepflanzt werden soll, unterhalb des Weges Schürmatt vom Lochholz (Reservoir) zum Sonnenberg eine einseitige Apfelbaumreihe. Der Unternutzen sollen bei Allee und Baumreihe mittelfristig extensiviert werden, vorderhand besitzt jedoch das gute Anwachsen der Jungbäume Priorität. Extensive Strukturen sollen unter anderem auch Wieseln, Glühwürmchen und weiteren Tieren, die sich am Boden aufhalten, Lebensraum und Vernetzungsmöglichkeit bieten.

Eine im Anschluss an dieses Gespräch verfasste Offerte der Firma Garten und Holz, Naturnaher Gartenbau, Wildbachstrasse 78, 8008 Zürich, geht von insgesamt 37 zu pflanzenden Birnbäumen aus und 33 Apfelbäumen aus. Dabei soll nach Möglichkeit auf alte Kultursorten zurückgegriffen werden (Pro Specie Rara), ebenso soll darauf geachtet werden, dass es sich um robuste, den lokalen Verhältnissen angepasste Sorten handelt. Einen Hinweis auf standortgemässe Sorten gibt auch ein undatiertes Inserat (ca. Mitte 20. Jahrhundert), in welchem der Hof Sonnenberg "sehr schönes Tafelobst" anbietet:

"S o r t e n : Glockenäpfel, Lederreinetten, Boscop, Ontario, Sauergrauech, Bernerrosen, Champagner, Bohnäpfel, Ananas und Boiken."

Blick vom Waldrand Gubrist den Regensdorfer-Weg hinunter zum Lochholz (Reservoir).Hier im oberen Teil des Weges stehen noch einige Obstbäume, die wieder zu einerBirnbaumallee ergänzt werden sollen. Ein Birnbaum unterhalb des Querweges ist vorkurzem abgegangen (Bild Anfang April 07). – Die Apfelbaumreihe soll in der rechtenBildhälfte der Hangkante nach Richtung Hof Sonnenberg (nicht mehr im Bild) führen.

Unter Allee und Baumreihe ist die Ausscheidung von 8-10 m breiten Wiesenstreifen im Unternutzen vorgesehen, die von der Beweidung oder Bewirtschaftung als Ackerland ausgenommen und abgezäunt werden. Durch die Abtrennung vom Weideland wird verhindert, dass sich durch Bodenverdichtung, Vernässung und Beschädigung des Stamms eine Beeinträchtigung der Obstbäume ergibt. Durch jeweils kurzzeitige Beweidung des Unternutzens (wohl mit Schafen) oder Mahd kann der Wiesenstreifen kurz gehalten werden, was das Aufkommen einer Mäuseplage verhindern soll.

Erst wenn die Bäume gut angewachsen sind, kann nach vielleicht 10 Jahren dazu übergegangen werden, im Unternutzen nur noch abschnittweise zu mähen, eventuell Kleinstrukturen einzurichten und gegebenenfalls beim Gerinne, das auf der Ostseite des Regensdorfer-Weges hinunterführt, entlang der Böschung alternierend geschnittene Altgrasstreifen oder Saumvegetation zu entwickeln.

Weiter ist vorgesehen, einen 50 m2 grossen Magerstandort anzulegen, der innerhalb der bestehenden Ausgleichsfläche der Allee östlich des Regensdorfer-Weges hinterlagert ist. An dieser Stelle wird das Wachstum der in den ersten Jahren auf nährstoffreichen Boden angewiesenen Obstbäume nicht beeinträchtigt, damit kann jedoch hoffentlich punktuell zu einer Aufwertung des Lebensraumes beigetragen werden und eine Art Probefläche für allfällige weitere Ausmagerungen in späteren Jahren geschaffen und beobachtet werden.

Organisation, Ablauf:

Als Träger tritt der Verein Glühwürmchen Projekt auf, der in den letzten Jahren schon an verschiedenen Stellen im Kanton Zürich Aufwertungsprojekte initiiert hat und dabei unter anderem vom Lotteriefonds des Kantons Zürich und der Stadt Zürich unterstützt worden ist. Im Gebiet geht die Realisierung der Vernetzungsstruktur an der Gemeindegrenze Oberengstringen-Zürich auf die Initiative des Vereins zurück. Untersuchungen zur Raumnutzung von Glühwürmchen (durch Benjamin Kämpfen, 2005) haben zur Vertiefung der Kenntnisse der Lebensraumstrukturen am Gubrist-Südhang beigetragen. Im Rahmen des "Glühwürmchen Festivals" sind im Sommer 2005 drei gut besuchte Veranstaltungen durchgeführt worden ("Glühwürmchen & Glögglifrosch").

Das Vorgehen soll selbstverständlich im Einverständnis mit Eigentümerin, Sonnenberg, Liegenschaften AG, und Pächter erfolgen, Details werden fortlaufend mit A. und J. Fliri abgesprochen.

Die Finanzierung wird durch den Verein organisiert. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt (August 2007) sind 38´000.- der Projektkosten von insgesamt 45´000.- für Planung, Pflanzung, Baumpflege während der ersten drei Jahre und die Erstellung einer Begleitstruktur (Magerstandort) gesichert. Markante Beiträge haben der Fonds Landschaft Schweiz (FLS) gesprochen im Rahmen der gegenwärtigen Alleenkampagne (17´500.-') sowie die Gemeinde Oberengstringen (7000.-).

Die Pflanzung der Bäume auf im Frühjahr 2008 vorgesehen und soll mit entsprechender Öffentlichkeitsarbeit verbunden werden. Für Pflanzung und Pflege der Obstbäume während der ersten drei Jahre soll die Firma Garten+Holz engagiert werden, die gerade in dieser Hinsicht als sehr kompetent gilt und über gute Ortskenntnisse verfügt.

6

Birnenallee im Höckler, Zürich (Foto Marianne Fritzsche, GSZ).

Verein Glühwürmchen Projekt Stefan Ineichen, Benjamin Kämpfen Zürich, August 2007